Hilfsmittel: Schienen, Schuhe, Orthesen

Mit Hilfsmitteln werden Klumpfüße nachhaltig behandelt. Abhängig von den Merkmalen (Sichelfuß, Spitzfuß etc.) und der Therapie, konservative Therapie oder operative Therapie, kommen verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz. Wozu Orthesen (Stützapparate), Einlagen und orthopädische Schuhe zählen. Die ärztlichen Vorgaben müssen streng eingehalten werden, wenn ein positiver Heilungsverlauf möglich sein soll. Besonders im frühen Wachstumsstadium, im Baby- und Kindesalter, werden hervorragende Ergebnisse erzielt. Wobei die Fußfehlstellung korrigiert und das Gangbild verbessert wird.

Um ärztliche Verordnungen bestimmter Hilfsmittel nachvollziehen zu können, sollte man sich mit den auf dem Markt befindlichen Hilfsmitteln, wie Orthesen, Schuhe, Schienen, Einlagen usw. befassen. Die wichtigsten Hilfsmittel für Klumpfüße werden weiter unten vorgestellt. Wer sich mit den Hilfsmitteln auskennt, der kann bei Arztterminen besser mitreden. Was sicherlich von Vorteil ist. Ein guter Arzt nimmt die Kenntnisse von gut informierten Eltern auf. Der Erfahrung nach ist ein lernwilliger Arzt ein guter Arzt, der den Erfahrungen von Eltern und Patienten Aufmerksamkeit schenkt und den Wünschen eventuell nachkommt, wenn die Krankenkasse mitspielt und die Vorschläge aus seiner Sicht den erhofften Erfolg versprechen.

Hilfsmittel Datenbanken

Während der Behandlung meines Sohnes haben wir bisher mit der Denis-Browne-Schiene, mit Drei-Backen-Einlagen, mit Antivarus-Schuhen, mit Einzelanfertigungen (Unter- und Oberschenkel-Lagerungsschalen) und mit der Fußgelenk (AFO)-Orthese einige Erfahrungen gemacht. Unter Hilfsmittel/Person sind die bei meinem Sohn verwendeten Hilfsmittel mit entsprechenden Bildern und Erläuterungen zu finden. Hier folgen (weiter unten) diese und andere Hilfsmittel mit Informationen, die hauptsächlich zur Hilfsmitteldatenbank REHADAT verweisen, um eine detaillierte Aufklärung zu ermöglichen. Denn REHADAT ist ein sehr umfangreiches und frei zugängliches Informationssystem zur beruflichen Rehabilitation mit Informationen zu Behinderung, Integration und Beruf. REHADAT ist ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, welches vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird. In der Hilfsmittel-Datenbank befinden sich unter anderem Beschreibungen mit Bildern sowie Verweise zu weiterführenden Informationen und Details. Wer sich unabhängig von diesem Thema informieren möchte, findet in der umfangreichen Datenbank auch Informationen zu Praxisbeispielen, Recht und Adressen bezogen auf Behinderung, Integration und Beruf. Die REHADAT Demo-Tour hilft dabei, das Informationssystem zu verstehen, um gezielte Ergebnisse zu erhalten.

In der Datenbank des Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz in Österreich befindet sich das Angebot des österreichischen Hilfsmittelmarktes mit Hilfsmitteln für alle Fälle.

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Hilfsmittelberatung SAHB verfügt über das Wissen zu allen wichtigen Hilfsmitteln, die auf dem schweizerischen Markt erhältlich sind und bietet eine diesbezügliche Beratung an. Mit ihren Hilfsmittel-Zentren in der Schweiz deckt die SAHB die Hilfsmittelberatung in Wohnortnähe ab.

Das Europäische Netzwerk mit Informationen zu technischen Hilfsmitteln vereint die großen Datenbanken für Hilfsmittel in Europa.

Im Folgenden handelt es sich um die gängigen Hilfsmittel, ohne die Gewähr auf Vollständigkeit, weil auf dem Markt befindliche Hilfsmittel nicht unbedingt in der Datenbank eingetragen sein müssen. Außerdem werden Klumpfüße und deren Merkmale (Sichelfuß, Spitzfuß etc.) mit Einzel- und Spezialanfertigungen behandelt, die den handelsüblichen Produkten lediglich ähneln, weil beispielsweise das ausgewählte Sanitätshaus auf Hilfsmittel der Marke Eigenbau setzt. Nun folgen aber nach bestem Wissen und Gewissen die Hilfsmittel mit kurzen Erläuterungen. Jedoch ohne den Anspruch auf Vollständigkeit.

Hilfsmittel für Säuglinge und Kleinkinder

Die nachfolgenden Hilfsmittel dienen größtenteils der Therapie bei Säuglingen und Kindern, die auf eine mögliche Gipsbehandlung folgt. Eine Übersicht der gängigen Hilfsmittel, die bei der Behandlung von Klumpfüßen eingesetzt werden. Bei der mittlerweile wohl bekanntesten Behandlungsmethode, der Ponseti-Methode, kommt die Denis-Browne-Schiene (Schiene für Fußkorrekturorthese) in Verbindung mit Markell-Schuhen zum Einsatz. Wobei zwei Varianten von Schuhen erhältlich sind, Markell-Schuhe mit geschlossener Ferse und Markell-Schuhe mit offener Ferse. Die Schiene und die Schuhe zusammen ergeben die Denis-Browne-Orthese, die der Klumpfußbehandlung nach Ponseti dient. Eine relativ neue Entwicklung von John Mitchell in Zusammenarbeit mit Dr. Ponseti ist die Fußgelenk (AFO)-Orthese nach Ponseti (AFO - Sprunggelenkorthese). Als Alternative gilt die ALFA-Flex-Schiene (Fußabduktionsschiene). Die ALFA-Flex-Schiene mit den dazugehörigen Fußhalterungen bildet die ALFA-Flex-Orthese, die ebenfalls der Behandlung nach Ponseti dient. Als Beispiel hier die dazugehörigen Standard Fußhalterungen, die Fußhalterung Standard weiß und die Fußhalterung Standard dunkelblau. Im Vergleich zu den vorgenannten Schienen bietet die Dobbs-Schiene (Schiene für Fußkorrekturorthese) trotz der Verbindung beider Füße etwas mehr Bewegungsfreiheit. Diese Schiene wird bei der konservativen bzw. bei der postoperativen Behandlung von Klumpfüßen eingesetzt. Die Dobbs-Schiene lässt sich genauso gut mit den Markell-Schuhen zu einer Orthese kombinieren.

Hilfsmittel für den einseitigen Klumpfuß

Für eine Therapie beidseitiger Klumpfüße und deren Merkmale (wie Sichelfuß, Spitzfuß etc.) eignen sich theorethisch auch für jeden fuß getrennte Hilfsmittel, die unter anderem der Behandlung des einseitigen Klumpfußes dienen, wie die Baby-Sichelfußorthese (Sichelfußkorrekturorthese) für Säuglinge und Kleinkinder im Krabbelalter. Heimschuhe mit Korrektur (Redressionsschuhe) unterstützen die Behandlung der Sichelfußkomponente bezogen auf Kleinkinder im Laufalter. Dieses gilt genauso für die Peducy, Sichelfußorthese nach Dr. Oehler, die das Fußwachstum mit einbezieht. In diesem Zusammenhang stellt die Bebax-Fußredressionsorthese eine weitere Behandlungsalternative dar, welche bei der Behandlung des Fußes um die Clubax Knöchel-/Fußorthese (Multiaxiale Fuß- und Beinkorrekturorthese) ergänzt werden kann, wobei dann die Fußplatte der Clubax Knöchel-/Fußorthese durch die Bebax-Fußredressionsorthese ersetzt wird. Wie bei der Gipsbehandlung im Säuglingsalter bzw. im frühen Kleinkindalter sind auch Orthesen gängig, die den Oberschenkel einbeziehen und Gips ähnlich umschließen. Die Equinovarus Splint (Fußkorrekturorthese) ist so eine Orthese, die alternativ einen Oberschenkelbausatz besitzt. Genauso wie die Sichel- und Klumpfußschiene (Klump- und Sichelfußkorrekturorthese), die mit der passenden Oberschenkelfassung erhältlich ist. Hier ein Beispiel für eine Oberschenkelfassung, die zur Unterschenkellagerungsschale nach Prof. Lange (Klump- und Sichelfußkorrekturorthese) gehört. Zu den Nachtschienen zählen auch die Hannoversche Klumpfuß-Nachtschiene und die HKN-Hannoversche Klumpfuß-Nachtschiene, beides Klump- und Sichelfußkorrekturorthesen.


Hilfsmittel Jugendliche und Erwachsene

Bei älteren Kindern sowie Jugendlichen und Erwachsenen werden die Füße häufig passiv korrigiert. Schuhe und Einlagen, welche auf dem "Drei-Punkte-Prinzip" basieren, können die Korrektur tagsüber unterstützen. Neben Antivarusschuhen, die je nach Jahreszeit und Wetter in verschiedenen Variationen und Farben erhältlich sind, dienen Einlagen, sogenannte Drei-Backeneinlagen, der Korrektur in normalen Schuhen. Erfahrungsgemäß kommt es aber auch vor, dass Drei-Backen-Einlagen in Antivarusschuhen getragen werden, weil es nicht immer einfach ist, passende Schuhe für diese Art Einlagen zu finden. Als Beispiel hier ein Antivarusschuh mit Schnürung und Klettverschluss.

Barfuß mit Klumpfuß

Um die gewünschte Korrektur zu erzielen, wird der kindliche Klumpfuß laufend behandelt. Fehlstellungen, welche teilweise die Fußform betreffen und das Gangbild verbessern, werden bereits in der Entwicklungsphase korrigiert, damit betroffene Kinder ohne Beschwerden gehen, rennen und springen können. Wobei Gleichgewicht und Beweglichkeit im Vordergrund der Bemühungen stehen, damit sich der Fuß zur nötigen Stütze bei alltäglichen Belastungen entwickelt. Die Bewegungsfreiheit der Füße ist jedoch eingeschränkt, weil sie in mitunter enge Schuhe gezwängt werden. Davon betroffen sind insbesondere auch Klumpfüße, wenn bspw. Antivarusschuhe, Schuheinlagen und Fußorthesen zur Besserung von Form und Funktionalität sorgen. Orthopäden, Physiotherapeuten und Mediziner bedienen sich dieser Hilfsmittel, weisen aber auch immer auf die Wichtigkeit des Barfußgangs hin. Denn schließlich fühlen sich Kinder sowie Erwachsene erst mit nackten Füßen frei. Barfuß spüren wir den Untergrund auf dem wir laufen, während Fußmuskeln und Sehnen beansprucht werden, die in Schuhen häufig nicht gefordert werden. Eine Möglichkeit, die sich für gewöhnlich positiv auf Laufstil, Beweglichkeit und Gleichgewicht auswirkt sowie Kapseln, Bänder, Sehnen und die Fußmuskulatur stärkt. In diesem Zusammenhang der Hinweis auf einen "Fußpark", einen "Fußparcour", der mit bloßen Füßen absolviert werden kann, um die Natur im Einklang mit der Bodenhaftung zu erleben. Der Barfusspark zur Stärkung des Bewegungsapparates, der zudem zum bloßfüßigen balancieren einlädt.